Ise Bosch

Dreilinden gGmbH,
Gründerin und Geschäftsführerin

Ise Bosch wuchs in Stuttgart auf. Nach dem Abitur studierte sie Geschichte am Reed College in Portland (Oregon). In den 1990er-Jahren war sie in Berlin als freiberufliche Musikerin im Bereich Jazz und Weltmusik aktiv.

Sie gründete 2001 die Frauenstiftung filia.die frauenstiftung, für die sie von 2003 bis 2011 im Vorstand tätig war. Sie gründete 2003 zusammen mit anderen Frauen Pecunia – Das ErbinnenNetzwerk.

2006 gründete sie in Hamburg die Dreilinden gGmbH mit der sie vor allem im globalen Süden und Osten die gesellschaftliche Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt fördert. Im Mai 2018 erhielt sie für ihr Schaffen den Deutschen Stifterpreis. 2007 erschien im Verlag C.H. Beck ihr Buch „Besser spenden! Ein Leitfaden für nachhaltiges Engagement“, das in Kürze in überarbeiteter Form vorliegen wird.

2018 erschien ihr gemeinsam mit Claudia Bollwinkel und Justus Eisfeld verfasstes Buch „Geben mit Vertrauen". Wie Philanthropie transformativ wird“. Seit 2019 veröffentlicht sie, gemeinsam mit Stefan Bollier und der Dreilinden gGmbH, regelmäßig Beiträge zum Thema „Queer Lens Investing“ auf Medium.

„Wenn ich im Sommer 2022 auf diese Zeit zurückschaue, erkenne ich...“

"...dass die Corona-Krise zu viel größeren Schritten hin zu ökologischer Nachhaltigkeit geführt hat. Die EU hat ihr CO2-Reduktionsziel für 2040 seit Herbst 2020 stark erhöht; der Kohleausstieg in Deutschland geht schneller; auch der Umbau der Landwirtschaft hat sich beschleunigt. Treiber dieser Entwicklung ist überraschenderweise Chinas Wirtschaft, die mit Blick auf Umweltthemen starken Nachholbedarf hatte und sein Entwicklungspotential nun voll ausnützt.

In sozialer Hinsicht ist es allerdings kaum vorangegangen. Der Bevölkerungsanteil, der sich gegen die radikale Nachhaltigkeits-Wende stemmt, ist mit der Corona-Leugnung stark gewachsen und hält sich auf einem Niveau, das die Politik in Deutschland stark hemmt. Grün-Schwarz kämpft mit einer erstarkten AfD und findet auch wenig Akzeptanz bei den neuen Klima-Listen.

Leider hat Corona zu einer gravierenden Verschlechterung beim Thema soziale Gerechtigkeit geführt. Von Vermögensabgaben ist kaum mehr die Rede, auch wenn die Dürre-Gegenden Deutschlands inzwischen dringend mehr Strukturhilfe bräuchten, als die Regierung leisten kann.

Menschenrechte werden auf der einen Seite vermehrt bemüht, auf der anderen Seite werden sie immer mehr als „umstritten“ angesehen. Sie werden zunehmend von einer gemeinsamen Werte-Plattform zu einem umkämpften Thema. Allerdings waren die Rechte von LGBTQI Menschen schon immer das – umkämpft.

Was wir 2020 gelernt haben, im ersten Corona-Jahr: Die Krise hat die Welt in Gegenden mit oder ohne Ressourcen, in Menschen mit oder ohne Ressourcen aufgeteilt. Das ist und bleibt schmerzhaft. Die Privilegierten sind dabei bemerkenswert defizit-orientiert: Sie sehen kleine Benachteiligungen weit mehr als ihre eigenen Privilegien. Darauf haben wir noch keine Antwort. Aber wir haben gelernt, wieviel online doch geht. Wieviel gute Ideen und Vernetzung in den Chats geschehen kann, die parallel zu Veranstaltungen stattfinden. Dass die interessantesten Unterhaltungen quer zu Hierarchien verlaufen.

Und: dass Sylvester ohne Böller nicht nur ökologischer und sicherer, sondern auch viel schöner ist.“

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